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Belo Horizonte und Umgebung

Belo Horizonte und Umgebung

Mit mehr als drei Millionen Einwohnern ist Belo Horizonte die drittgrößte Stadt Brasiliens und zugleich Hauptstadt des Staates Minas Gerais. Der Bundesstaat, etwa so gross wie Frankreich, besitzt die grössten Zinn-, Eisen- und Zinkvorkommen Brasiliens und verfügt über umfangreiche Edelsteinvorkommen. Zuerst war es aber das Gold, wenig später Diamanten, die hier für legendären Reichtum sorgten.

In der Stadt sind die Anlagen am Stausee von Pampulha sehenswert. Die Kirche São Francisco und das Museu de Arte wurden von Oscar Niemeyer entworfen, der Park vom berühmten Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx.

So richtig in die Zeit des Goldrausches zurückversetzen lassen können Sie sich im „Goldgürtel“ rund um Belo Horizonte: Ouro Preto, Congonhas do Campo, Sabará, Mariana, São João del Rei und Tiradentes bezaubern mit ihrer einzigartigen Barock-Architektur.

Ouro Preto

Ouro Preto, 100 km von Belo Horizonte entfernt, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Hier lag im 18. Jahrhundert das Zentrum des Goldfiebers. (Ouro Preto bedeutet „schwarzes Gold“ – das Edelmetall weist hier schwarze Eisenoxid-Verunreinigungen auf.)
Der einst märchenhafte Reichtum schuf eine barocke Bilderbuchstadt. Die Zahl der Einwohner ist heute auf 30`000 gesunken. Geblieben sind fünf Museen, 13 auf Hügeln errichtete Kirchen, bildschöne Gassen und Plätze sowie eindrucksvolle Landhäuser im Kolonialstil.

Geschichte und Kultur

Im Zentrum liegt die Praça Tiradentes mit dem mächtigen Museu da lnconfidệncia. Hier befinden sich diverse Stücke, die an Tiradentes (den „Zahnzieher“) erinnern, der mit bürgerlichem Namen Joaquim José da Silva Xavier hiess und berühmt wurde, weil er eine (erfolglose) Revolte gegen die portugiesische Kolonialmacht anführte. Das unheilvolle Ende ist im Museum dokumentiert.
Ausgestellt werden ausserdem einige Werke des genialen Barock-Künstlers Antônio Francisco Lisboa, auch als Aleijadinho („Krüppelchen“) bekannt. Als Bildhauer und Architekt schuf dieser beeindruckende Werke, von denen sich einige in der Carmo-Kirche und in der Sammlung sakraler Kunst unweit des Museums befinden. Die Kirche, die sein Vater entworfen hatte, veränderte er im barocken Stil. Gleichzeitig schuf er aufwändige Bildhauerarbeiten.

Hinter der schlichten Fassade der Igreja Matriz de Nossa Senhora do Pilar verbergen sich vergoldete Wände mit Darstellungen von Heiligen und pausbäckigen Engeln. Über 400 Kilogramm Gold und Silber wurden für die prunkvolle Kirche verwendet.

Eher schlicht wirkt Santa Efigệnia dos Pretos, die sich durch ihre konvexen Mauern, die geschwungene Fassade und ihre schönen Glockentürme hervorhebt. Das Innere beherbergt einen künstlerisch sehr wertvollen Altar.

Als eines der Meisterwerke Aleijadinhos und gleichzeitig eines der wichtigsten Werke der kolonialen Architektur Brasiliens gilt die Igreja de São Francisco de Assis, deren gesamte Fassade Aleijadinho aus Stein gehauen hat. Die Malereien an den Wänden und Decken stammen von einem langjährigen Partner, Manuel da Costa Ataíde.

Eine weitere bemerkenswerte Kirche ist die Igreja Matriz de Nossa Senhora da Conceiҫão de Antonio Dias, in der sich Aleijadinhos Grab befindet. Diverse Dokumente und Arbeiten des grossen Meisters werden hier ausgestellt. Im Museum Casa dos Contos sind Goldmünzen und eine Giesserei zu sehen. Gleich in der Nähe liegt die Fachschule für Bergbau, deren Museum die grösste Sammlung der Welt an wertvollen Steinen, Erzen und Kristallen enthält.

Weitere wichtige historische Gebäude sind das Teatro Municipal aus dem Jahre 1769 und die Häuser von Tomás Antônio Gonzaga und Tiradentes, die 1792 einen (letztlich erfolglosen) Putsch gegen die portugiesische Kolonialmacht planten. In den Läden rund um den Praça Tiradentes kann man Kunsthandwerk aus Ton, Holz oder Gold, Silber und Edelsteinen erwerben.

Mariana

Zwölf Kilometer von Ouro Preto entfernt liegt das pittoreske Bergstädtchen Mariana, die erste Hauptstadt der Region und erster Bischofssitz in Minas Gerais. Die stattliche Kathedrale Basílica Nossa Senhora da Assunҫão und die Kathedrale da Sé gehören zu den ältesten Kirchen in Minas Gerais.

Das Museum Casa Capitular beherbergt viele barocke Gemälde und Skulpturen.

Auch die Kirchen der franziskanischen und der karmelitischen Laienorden sowie die reizvolle Casa de Câmara e Cadeia (Stadtverwaltung und Gefängnis) mit ihrer schönen Freitreppe sind einen Besuch wert. In den Gassen kann man ausserdem schöne Brunnen, Kreuzweg-Stationen und alte Villen bewundern.

Sabará

Ein weiteres sehenswertes Barockstädtchen ist Sabará. Es liegt 23 Kilometer ausserhalb von Belo Horizonte. Das Goldmuseum, das Teatro Imperial aus dem Jahre 1770 (samt Kristalllampen und aus Bambusrohr geschnitzten Sitzen) und die vielen verschwenderisch geschmückten Kirchen zeugen vom einstigen Reichtum der Stadt.

Die Igreja Matriz de Nossa Senhora da Conceiҫão ist reichlich mit Blattgold und chinesischen Verzierungen geschmückt. Auch die Igreja de Nossa Senhora do Ò zeigt unverkennbar asiatische Einflüsse. (Die Jesuiten hatten Kontakt mit der chinesischen Kultur.) Wände und Decke sind reich mit Schnitzereien, Blattgold und geheimnisvoll dunklen Malereien verziert. Und die lgreja de Nossa Senhora do Carmo ist die reinste Schatztruhe voller Werke von Aleijadinho. So kann man zum Beispiel herrliche Kanzeln aus Speckstein und Holzschnitzarbeiten von ihm betrachten.

Congonhas do Campo

75 Kilometer südlich von Belo Horizonte liegt Congonhas. Es birgt die grössten Meisterwerke Aleijadinhos. Vor der Basílica do Bom Jesus de Matosinhos stehen zwölf lebensgrosse Propheten aus Speckstein. Aleijadinho schuf sie als alter und kranker Mann. Ebenfalls von ihm und seinen Assistenten stammen die Holzfiguren, die die Leidensgeschichte Christi darstellen. Diese 64 bemalten Figuren sind in sechs kleinen Kapellen aufgestellt.

São João del Rei

Die alte Goldgräberstadt, zwischen zwei Gebirgszügen gelegen, hat einen sehenswerten Altstadtkern mit Kirchen, Museen und prachtvollen Villen. Sie liegt 190 Kilometer von Belo Horizonte entfernt.

Die lgreja de Nossa Senhora do Carmo, entworfen von Aleijadinho, erinnert an die barocken Meisterstücke in Ouro Preto. Die Kirche besitzt eine berühmte unvollendete Christusfigur.
Die Catedral Basílica de Nossa Senhora do Pilar hat reich verzierte Wände und Decken; beachtenswert sind hier auch die goldverzierten Altäre.
Die schönste der sieben Kirchen der Stadt ist die Igreja de Sao Francisco de Assis. Sie gilt als die grösste architektonische Leistung Aleijadinhos. Im lnneren sind bemerkenswerte Figuren und feine Holzarbeiten zu sehen.

Als das beste Museum von Minas Gerais gilt das Museu de Arte Regional do Patrimonio Historico. In einer schönen Villa untergebracht, zeigt es auf zwei Etagen sakrale Kunst; die dritte Etage ist Handwerks- und Gebrauchsgegenständen gewidmet.

Im Bahnhof von São João befindet sich das Museu Ferroviário mit einer Vielfalt an Informationen und Ausstellungsstücken über Eisenbahnen. Gezeigt werden unter anderem Baldwin-Lokomotiven aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Tiradentes

Nur 13 Kilometer per Zug trennen das bildschöne Örtchen Tiradentes von São João. Es wurde nach seinem berühmten Sohn, dem brasilianischen Nationalhelden „Tiradentes“ („Zahnzieher") Joaquim Jose da Silva Xavier benannt. Tiradentes war der Anführer eines geplanten Putsches gegen die portugiesische Kolonialmacht, wurde verraten und 1792 hingerichtet.

Zu den Sehenswürdigkeiten des Bergdorfs zählen eine der schönsten Kirchen Brasiliens, die lgreja Matriz de Santo Antônio, und das Museu do Padre Toledo, das Stilmöbel und sakrale Kunst ausstellt.

In den Läden von Tiradentes kann man Antiquitäten, Holzarbeiten und Silberschmuck kaufen.

Diamantina

In Diamantina, 200 km nördlich von Belo Horizonte, wurden in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts Diamanten gefunden. Der Ort war Hauptsitz des berühmten Diamantenhändlers Joao Fernandes de Oliveira und seiner Sklavin und Geliebten Xica da Silva. Fernandes liess den Glockenturm der reich vergoldeten lgreja de Nossa Senhora do Carmo versetzen, weil das Glockengeläut seine Geliebte störte.

Gleich nebenan steht die farbenfrohe lgreja Nossa Senhora do Rosário, die von Sklaven erbaut wurde und wohl deshalb schwarze Heiligenfiguren enthält.
Wegen ihrer schönen Balkongitter gerühmt wird die öffentliche Bibliothek.

Informativ ist das Diamantenmuseum, in dem alte Bergbaugeräte, Dokumente und Mobiliar ausgestellt sind.

Zu den imposantesten Gebäuden gehören ferner die Villa des Diamantenhändlers Fernandes und die Casa da Glória, der ehemalige Sitz der königlichen Gouverneure.

Sehr bescheiden hingegen ist das Geburtshaus von Juscelino Kubitschek, einem der bedeutendsten Präsidenten Brasiliens und Gründer von Brasília.